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Fluten-Log
Volker Friebel

 

 

Archiv Dezember 2014

 

 

Mittwoch, 31. Dezember 2014

 

„Jeden Tag etwas an diesem Tag Entstandenes. Mal sehen, wohin es führt.“ Es führt hierher. Am 1. März 2014 habe ich begonnen, heute beende ich nach zehn Monaten das Projekt. Morgen führe ich es in veränderter Form weiter.

Zu manchen Zeiten fielen Einträge leicht, zu anderen Zeiten war ich ganz mit Musik oder der Überarbeitung von Büchern beschäftigt. Das will ich künftig berücksichtigen und nicht jeden Tag einen neu entstandenen Text bringen, sondern, wenn es aktuell nichts Mitteilenswertes gibt, ältere Texte nehmen. Das dürfte sowohl für die Leser als auch für mich weniger frustrierend sein.

Haiku werden damit sicherlich wesentlich seltener vorgestellt. Ich möchte sie künftig nur noch veröffentlichen, wenn es eine Frage dazu gibt, etwa verschiedene Versionen, zwischen denen ich mich nicht entscheiden kann, oder zusammen mit Fotos.

Ein glückliches und kreatives 2015 wünscht

Volker Friebel

 

Haiku-Versuch

Krähen schwingen auf
aus dem Schnee – in die Flugbahn
unseres Schlittens!

Schlittenabfahrt.
Krähen schwingen in unsere
Flugbahn!

Krähen schwingen
in unsere Flugbahn!
Schlittenwind.

    Tübingen, Österberg

 

 

2014-12-30 15-38-00 0289 Brechthaus AugsburgDienstag, 30. Dezember 2014

 

Am Brecht-Haus vorbei –
Wasser stürzt
dem Abend zu.

    Augsburg, am Brecht-Haus

 

 

 

 

 

 

 

 

2014-12-29 09-26-57 0177 Schnee Universitätsbibliothek Tübingen 400x246Montag, 29. Dezember 2014

 

Haiku-Versuch

Schneetreiben.
Vor der Universität
die weißen Blätter.

Jenseits der Bibliothek
weiße Blätter,
die niemand beschreibt.

Jenseits der Bibliothek
ein Blatt, unbeschrieben.
Schneetreiben.

Jenseits der Bibliothek
ein Blatt,
unbeschrieben.

Jenseits der Bibliothek
ein unbeschriebenes Blatt.
Schneetreiben.

 

 

Sonntag, 28. Dezember 2014

 

Am Sternengrund
in die Schneenacht – ein Fenster voll
Kerzenlicht.

 

 

Samstag, 27. Dezember 2014

 

Fensterbilder –
wie grau sie wirken, über
dem ersten Schnee.

 

 

Freitag, 26. Dezember 2014

 

Neben Steine
an den Waldbach gefallen:
atmendes Laub.

 

 

Donnerstag, 25. Dezember 2014

 

Meisenpfiffe.
Durchwirbelt das bloße Geäst
eines Baums.

 

 

Mittwoch, 24. Dezember 2014

 

An der Lichterstube –
alle Schritte sind von Helfern.
Heiligabend.

Die Obdachlosen, für die die Lichterstube gedacht ist, haben sich zwei Stunden vor Öffnung eingefunden, ihre Geschenke geschnappt und sind dann wieder in der Nacht verschwunden. In der Stube sitzen nun bei Kerzenlicht die Helfer und singen zusammen Weihnachtslieder.

 

 

2014-12-23 11-10-12 0112 Hohe Warte Turm bei St Johann 300x400Dienstag, 23. Dezember 2014

 

Albäcker.
Ein Bündel Federn segelt entgegen
dem Winterwind.

    Hohe Warte bei Urach

 

 

 

 

 

 

 

 

Montag, 22. Dezember 2014

 

Aus dem Wind
der Ton eines Vogels.
Wintersonnenwende.

 

 

Sonntag, 21. Dezember 2014

 

Tief unter dem Spiegel
des Neckars – Licht im Fenster
des Dichterturms.

 

 

Samstag, 20. Dezember 2014

 

Braune Blätter
unter dem Himmel. Die Sagen
des Windes.

 

 

Freitag, 19. Dezember 2014

 

Nach dem Vortrag –
in Pfützen gespiegelt ich
und die Winternacht.

 

 

Donnerstag, 18. Dezember 2014

 

Ins Winternieseln
blüht Senf,
pinkelt ein Gärtner.

 

 

Mittwoch, 17. Dezember 2014

 

Durch die Zimmerwand
tönt eine Mandoline. Über der Decke:
Sterne.

 

 

Dienstag, 16. Dezember 2014

 

Unter dem Buchregal
eine Schachtel voll Walnüsse.
Winternacht.

 

 

Montag, 15. Dezember 2014

 

Treibjagd.
Nach dem Schuss noch immer
das Bellen.

 

 

Sonntag, 14. Dezember 2014

 

Weihnachtsmarkt.
Im Dunkeln des leeren Lokals
spielt einer Klavier.

 

 

Samstag, 13. Dezember 2014

 

Tod im Winter.
Vor dem erleuchteten Horizont
eine Weide.

 

 

Freitag, 12. Dezember 2014

 

Winters am Erlenweiher –
ein Entenpaar
allein mit dem Wind.

 

 

Donnerstag, 11. Dezember 2014

 

Vor dem Sterbezimmer
wird es leise –
Regen wird Schnee.

 

 

Mittwoch, 10. Dezember 2014

 

Graupelschauer.
In der Waldhütte
leere Schnapsflaschen.

 

 

Dienstag, 9. Dezember 2014

 

Dezemberdunst,
sternlos. Das Lächeln
der Nachbarin.


 

 

Montag, 8. Dezember 2014

 

„Ohne Flügel fliegt die Feder nicht weit.“ Dr. Schwanenflügel gießt beide Gläser halb voll.

„Und ohne Herz nicht der Flügel“, schnurrt die Moderatorin. „Es braucht den ganzen Vogel, um mit einer Wolke mithalten zu können.“

„Wenn einer denn fliegen will.“ Dr. Schwanenflügel hebt sein Glas und prostet ihr zu.

„Gestern bin ich in die Luft gesprungen, um einmal weg von dieser ewigen Fläche zu kommen, von der Erde“, sagt die Moderatorin. „Die Blumen mag ich schon. Aber nicht das Gras und die Gänseblümchen, die stehen so in einer Ebene. Ich mag oben und unten, den Raum.“

Dr. Schwanenflügel schweigt. Denn das Gras und die Gänseblümchen mag er besonders. Die Astern und Rosen, natürlich, die auch. Seit einigen Jahren hat er sogar an den Tulpen Gefallen gefunden, die ihm bislang immer zu protzig vorgekommen waren. Er nippt an seinem Glas. Als Kind, erinnert er plötzlich, hatten es ihm Eisblumen besonders angetan.

 

 

Sonntag, 7. Dezember 2014

 

„Karl?“, tschilpt Anton.

„Anton?“, tschilpt Karl.

„Weißt du, dass sie in ganz kleinen Käfigen wohnen, unsere Brüder, na, jedenfalls unsere Verwandten ? Kaum, dass sie ihre Flügel drin ausstrecken können!“

„Freiheit wird weit überschätzt“, meint Karl, „jedenfalls, wenn auf der anderen Seite ein gesicherter Lebensunterhalt steht.“

„Ich fliege so gern“, klagt Anton.

„Der Käfig wird ab und zu aufgemacht“, behauptet Karl. „Und dann fliegst du durch ein Schlaraffenland ! Die Menschen machen es nicht anders!“

„Können sie fliegen?“, staunt Anton.

„Nein, aber Käfige bauen“, pfeift Karl.

 

 

Samstag, 6. Dezember 2014

 

„Die Nachrichten, liebe Callis und Challis, entfallen heute“, die Moderatorin strahlt in das Gesicht jedes einzelnen Zuschauers. „Es ist nichts von Belang passiert.“

Ihre Haare bewegen sich leicht – eine Taube landet auf dem Schreibtisch, ein Blatt im Schnabel. Die Moderatorin nimmt die Eilsendung auf.

„Doch noch eine Sondermeldung.“ Sie streicht sich die Haare zurecht und winkt der abschwirrenden Taube nach. Ein Hüsteln, ein Lächeln in die Kamera, dann liest sie vor:

„Auf dem Planeten Erde hat ein Blatt den Halt an seinem Baum verloren und ist auf die Erde gesegelt. So wissen nun auch wir: Es ist Winter!“

Die Moderatorin senkt das Haupt und lässt eine Zeit verstreichen. Dann bricht sie zusammen.

 

 

2014-12-05 11-53-53 0043 Karte Karo-König Wald bei Ulm-Söflingen 300x400Freitag, 5. Dezember 2014

 

Ein zerrissenes
Kartenspiel im nassen Laub.
Atemwolken.

    Wald bei Ulm-Söflingen

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Donnerstag, 4. Dezember 2014

 

Stufen hinunter
zur Donau – ein Blatt treibt
im Schaum.

    Ulm an der Donau

 

 

Mittwoch, 3. Dezember 2014

 

Winterfeld.
Durch den Nebel geht ein Mann,
der ein Pferd führt.

 

 

Dienstag, 2. Dezember 2014

 

Bei der Dichterin
im Pflegeheim – ich grüble über
jedes Wort.

 

 

2014-12-01 10-18-02 0879 Bergpfad Jusi bei Kappishäusern 300x400Montag, 1. Dezember 2014

 

Schlehenbeeren ...
Erst spät
fliegt die Amsel auf.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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