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Fluten-Log
Volker Friebel

 

Jede Woche einen Text.

Wenn nicht anders angegeben, stammen die Beiträge aus der jeweiligen Kalender-Woche.

 

 

2017

Woche 11

  März   

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Vom Dienstag aus einer Wanderung von Calw nach Zavelstein.

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Woche 10

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Vom Freitag aus dem Wolfstal bei Lauterach.

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2017

Woche 9

  Februar / März  

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Stufen zur Quelle

[...]

12

In der Nacht ist Schnee gefallen,
nun ist die Welt wieder weiß.
Doch mit der Sonne kommen die Farben –
erst im Blitzen der Schneekristalle,
dann in den Blumen.

    Aus: Volker Friebel (2010): Zonen der Kampfjets. Gedichte und Haiku. Tübingen: Edition Blaue Felder

 

 

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Brot und Spiele – Juvenal griff mit dem Begriff die römischen Kaiser an, die damit das Volk ruhig stellen wollten. Aber die Sache gab es schon vorher, in der Endphase der Republik.

Merkel ist sicherlich keine Kaiserin, nicht nur zu Augustus, auch zu Tiberius fehlt ihr das Format. Was nicht verwundert: Sie entstammt nur deutschen Genen. Bei jedem wichtigen Spiel der Nationalmannschaft (Fußball, männlich) ist sie aber natürlich dabei. Ihre Nachfolgerin, gleich welchen Geschlechts und welcher Partey, wird das auch sein. Und die Kameras werden jede Emotion von ihrIhmEs auffangen und dem begeisterten Volk in die weit aufgerissenen Augen träufeln.

Die letzten Jahre war ich viel unterwegs in der Welt. Und war immer erstaunt, wie billig die Lebensmittel in Deutschland sind. Nimmt man den Anteil am Einkommen, dürften sie nirgendwo billiger als hier sein. Wie kommt das?

Was  bedeutet das alles?

Aber ich meine nicht, dass wir in der Spätphase einer Republik leben. „Unternehmen – öffentlich“, behauptet der Übersetzer. Und alle wissen um Geheimdienste, allgegenwärtige Bespitzelung und Zensur, Absprachen in Hinterzimmern. Und fast alle sind zufrieden damit, wenn es ihnen selbst gut geht. Moral ist ersichtlich ein Fremdwort und wird übersetzt mit gemeinsame Werte, mit der Bedeutung: unsere Interessen. Wenn ich mich auf die Ausführungen der Politologen zu diesen Begriffen einlasse, wird mir schlecht.

Manchmal glaube ich, so wie ich Nachrichten lese: Mir ist gern schlecht.

Was ist ein Politologe oder ein NachrichtenMensch? Entweder ein Schweigender oder ein Angestellter des Staates. Laotse soll sein Buch nach seinem Abschied vom Staatsdienst geschrieben haben, einer Legende zufolge, die ich gern lese, aber nicht glaube. Deshalb gibt es heute Pensionen.

Aber den einen und den anderen, die sich da gegenüberstehen und zetern und so tun, als ob sie alles wären, die den Zuschauer zu einem „Für“, weil „Gegen“ zu überreden versuchen, denen glaube ich allen nicht.

    Mittwoch, 22. Februar 2017

 

 

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Woche 7

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Tja, wo ins Netz? Ich habe die Darstellung auf www.Reise-Tage.de veröffentlicht. Hier der Verweis: Sarnath – wo der historische Buddha seine erste Rede hielt. Solche Texte möchte ich schreiben. Nicht unbedingt buddhistisch.

 

 

2017

Woche 6

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Das Wasser der Wahrheit

 

„Liebes Murmel“, sagte ein Mann, der von der Universität hoch auf die Alm gestiegen war, „Jahr um Jahr schon forsche ich und andere neben und vor mir. Obwohl wir auch wirklich viel Wissen angehäuft haben und noch immer mehr anhäufen, scheint uns die Wahrheit immerfort zwischen den Fingern zu entgleiten. Nach so vielen Jahren des Forschens meine ich fast, ihr kein bisschen näher gekommen zu sein, obwohl ich so viel mehr als früher weiß.“

„Sei froh, dass du die Wahrheit nicht findest“, begann Mu. „Willst du wissen, was den Leuten passiert ist, die sie gefunden haben?“

Der Mann nickte und Mu erzählte seine Geschichte.

 

„Eines Sonntagvormittags vor langer, langer Zeit erschienen an der Unterseite einer Wolke feine Risse . Es knirschte und polterte. Dann öffnete sich plötzlich eine Falltür und ein mächtiger Schwall Wasser stürzte hinab auf die Erde. Das war aber das Wasser der einen endgültigen Wahrheit. Alles wurde patschnass. Die Leute warfen böse Blicke nach oben, aber die meisten schüttelten sich bloß und setzten dann ihren Sonntagsspaziergang fort. Auch die Wolke zog weiter. Die Sonne kam hinter ihr vor und trocknete den ganzen Schlammassel. Und bald war alles wie immer.

Aber nicht ganz.

Nach ein paar Tagen bemerkte der Apotheker zufällig, dass das Gras auf den Wiesen aufgehört hatte zu wachsen. Am nächsten Morgen besorgten sich alle Leute gleich Maßbänder, um nachzumessen – und richtig: Das Gras wuchs keinen Millimeter mehr.

Manchen war das egal, andere runzelten die Stirn. Aber niemand wusste etwas dazu zu sagen. ,Das ist dann eben die Wahrheit', meinte der Schnellste endlich und setzte ein weises Gesicht auf.

Die Leute gingen auseinander. Aber viele waren besorgt. Denn wenn die Wahrheit fest und unveränderlich ist, was sollte dann in einer Welt wie der ihren geschehen, in der viele Wesen lebten und es also viele Wahrheiten nebeneinander geben musste? Wenn kein Fließen mehr möglich war, mussten dann die erstarrten Wahrheiten einander bekämpfen? Und welche Wahrheit würde der Sieger sein?

Bald waren die Kühe so abgemagert, dass sie geschlachtet werden mussten. Das Gras war nämlich abgenagt und wuchs nicht mehr nach. Die Blumen wollten immer nur blühen. Kein Blütenblatt fiel mehr und die Preise für Obst kletterten schnell. Dann erstarrten die Vögel in ihrem Flug. Erst flogen sie wie durch eine immer zähere Luft. Sie keuchten, sie rackerten tüchtig. Und dann blieben sie ganz liegen, wie in einem angehaltenen Film. Der wahre Himmel hing reglos voll Federn.

Die Leute waren inzwischen nicht müßig geblieben. Manche hatten sich ertränkt. Andere waren ausgewandert, über den Rand der Erde hinaus. Wieder andere schlossen sich ein, um die Gelegenheit zu nutzen, endlich ihre Steuererklärung fertigzustellen. Die Verbliebenen aber hatten sich Spruchbänder und Fahnen gefertigt, die zeigten sie in einer langen Prozession, als die Wolke wieder einmal vorüberschwebte. Sie schwenkten ihre Fahnen, schrien recht laut und ließen Drachen steigen, sogar einen Ballon. Der stieß mit der Wolke zusammen.

Da erschienen wieder Risse an der Unterseite der Wolke. Die Leute zogen schon die Köpfe ein, aber es war keine Falltür, sondern ein Fenster. Jemand putzte von innen die Scheibe und sah zu ihnen hinab. Sie schrien im Chor ihre Sprüche, so laut sie konnten.

Zwei Augen sahen lange aus dem Fenster der Wolke. Dann trübte die Scheibe sich wieder. Die Wolke nahm Fahrt auf. Bald war sie hinter den Bergen verschwunden.

Die Leute warfen ihre Fahnen und Spruchbänder in den Fluss und zerstreuten sich. Jeder ging einsam nach Hause.

Am nächsten Morgen entdeckten sie, dass das Gras wieder wuchs. Junge Triebe zitterten im aufgekommenen Wind. Blütenblätter wehten über die Straßen. Die Wahrheit war von ihnen genommen.“

 

Aus: Volker Friebel (2013): Murmel Mu – Aus den Weisheiten eines Murmeltiers. Tübingen: Edition Blaue Felder. Nur als eBuch (epub- und Kindle-Format).

 

 

2017

Woche 5

  Januar / Februar 

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31

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Aus: Am Quell der Donau

[...]

8

Festungen brechen. Die Herrscher planen
ein festeres Reich. Und da sich mit Wasser
nicht bauen lässt, aus Ersatzmaterialien,
aus Schaumstoff etwa, aus Gummi.
Tob nur. Es tröstet. Doch

die Hand, die sich ums Schwert schließt, ist nicht die Hand,
die um einen Knüppel fasst, der auf dem Bildschirm
ein Schwert kontrolliert,

das Lied, das du singst, ist nicht das Lied,
das dir aus Lautsprechern
in deine Ohren dröhnt,

du bist nicht du.

Enger werden die Augen der Menschen
je weiter sich ausdehnt ihr Reich.
Was sie anfassten, wurde zu Geld,
doch du siehst an der Brüstung, dass es von Anfang an
Schuldscheine waren.

Die Quelle ist rein.

 

9

Wo kommt dein Leben her, in jedem Moment?
Antworten sagen es nicht.

Es ist das Staunen,
das dich wach hält und offen.

Es ist die Demut,
die dem Himmel ermöglicht, dich zu durchwehen.

Es ist das Lied, das dich ins Strömen bringt,
das du bist und sein sollst.

[...]

    Aus: Volker Friebel (2010): Zonen der Kampfjets. Gedichte und Haiku. Tübingen: Edition Blaue Felder

 

 

2017

Woche 4

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    Text und Foto: Dienstag, 24. Januar 2017, Mumbai, Indien

 

 

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Woche 3

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Die Furtbereiter –
im Tempel Statuen geworden,
Schatten.

    Montag, 16. Januar 2017, Sravana Bealgola, Vindyagiri-Hill, Jaina-Heiligtum, Süd-Indien

 

 

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Strömen

Ein Morgen, erschaffen aus Vogelschreien,
weiße Wolken spiegeln im Fluss.
Die Liebste ist noch im Zelt geblieben,
ich sitze am Wasser
und spüre es strömen in mir.

Ein Eisvogel flog fort,
als ich kam. Der Fluss und der Himmel
blieben.

    Donnerstag, 12. Januar 2017, Thattekkad, Hornbill-Camp, Süd-Indien

 

 

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2017-01-04 07-39-07 0576 Meditierende Golf von Bengalen bei Chennai Indien 600x450 95%

 

Aus Lautsprechern Om.
Seminargäste meditieren
das Meer.

Manche sitzen auf Stühlen, zugewandt dem Golf von Bengalen. Andere haben sich im Lotossitz auf dem Sand niedergelassen. Die vordersten werden Welle um Welle bis zur Hüfte vom Meer überspült. An der Böschung vom Tagungshotel zum weitläufigen Strand zwischen Abfällen der Trost roter Windenblüten. Es ist ein weiterer Tag in der Katastrophe unserer Welt.

    Text und Foto: Mittwoch, 4. Januar 2017 bei Chennai, Süd-Indien

 

 

 

    Aktuell 15.03.2017 auf www.Fluten-Log.de, Einrichtung 02.03.2014
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