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Fluten-Log
Volker Friebel

 

Jede Woche einen Text.

Wenn nicht anders angegeben, stammen die Beiträge aus der jeweiligen Kalender-Woche.

 

 

Woche 2016-29

 

Aus Fugen

 

[...]

3

Geschwisternschaft zwischen den Gräsern
und dir, und den Schmetterlingen –
demselben Samen sind wir entsprungen,
so können wir den andern erkennen,
denn etwas von ihm ist in uns.

Doch während du kniest,
vor dem Wunder des Lebens, stempelt das Parteibüro
alle Bäume.

Während du im Widerhall die Stimmen
des Waldes hörst, hört es das Klingeln
möglichen Geldes.

Während du im Widerhall dich selbst erkennst,
lehrt es, dass man mit Fliegen Fische fängt,
mit Kreditkarten Menschen.

 

4

Alles verwandelt das Büro in Geld:
Liebe, Sorge, Freude, Tanz, um es besteuern zu können,
und zu reden dann von „Gerechtigkeit“.

Weil die Welt gerecht ist,
wenn auch dein Atemzug vorgeschrieben wird,
verwaltet, maßgeregelt,

abgestempelt und steuerlich veranlagt,
und sein „Mehrwert“ aufgeteilt,
vergossen über die Menge.

Die Liebe will nicht kämpfen, sie will sich entziehen.
Sie ist ausgewandert
und wohnt nun im Staate Owdnegrin,

hinter den sieben Bergen,
weit hinter dem Regenbogen jener Gerechtigkeit,
den das Büro an seinen Himmel malt.

 

5

Der Ekel kämpft nicht, er wendet,
wie die Liebe, sich ab. Was kämpfen könnte,
ist alleine der Zorn.

Was kämpfen könnte, ist alleine der Blick,
der in den Wolken geruht hat, und nun heimkehrt,
in ein schwer befestigtes Land.

[...]

 

    Aus: Volker Friebel (2010): Zonen der Kampfjets. Gedichte und Haiku. Tübingen: Edition Blaue Felder

 

 

 

Woche 2016-28

 

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Text und Foto: Montag, 11. Juli 2016 bei Waldstetten.

 

 

Woche 2016-27

 

Heute beginnt eine Fahrradfahrt an den Quell des Neckars und weiter, zum Quell der Donau. Da war ich schon.


Am Quell der Donau

[...]

11

Alles Mühen der Ahnen, ihr Scheitern,
erneutes Mühen, zurückgenommen sind ihre Falten,
und glattgestrichen, im Gesicht dieses Neugeborenen,
das seine Augen nun öffnet,
und schaut. Bald wird es lächeln,
ins Unbekannte.

Die alte Frau blickt es an,
wiegt das Kind in der Beuge des Arms.
Am Quell der Donau.


12

Alle Ströme entspringen im Himmel,
in dem sie enden.

 

    Aus: Volker Friebel (2010): Zonen der Kampfjets. Gedichte und Haiku. Tübingen: Edition Blaue Felder

 

 

Woche 2016-26

 

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Foto: Montag, 27. Juni 2016, Kornblumen bei Holzgerlingen, Text nach dem Foto: Montag 04.07.2016.

 

 

Woche 2016-25

 

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Foto und Text: Donnerstag, 23. Juni 2016, Kirche Fex Crasta im Fextal, Oberengadin.

 

 

Woche 2016-24

 

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Foto: Sonntag, 19. Juni 2016, Wanderung von Sils Maria nach St. Moritz, am Silvaplanersee. Text: Derselbe Tag Abenddämmerung am Silsersee.

 

 

Woche 2016-23

 

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Haiku: Freitag, 10. Juni 2016 Burg Făgăraș. Foto: Samstag, 11. Juni 2016 Bonnesdorf (Boian), Rumänien.

 

 

Woche 2016-22

 

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Haiku und Foto vom Donnerstag, 2. Juni 2016 aus der Nähe von Waldstetten (Ostalb)

 

 

Woche 2016-21

 

61

„Die Seele kannst du ganz unterschiedlich betrachten“, Clara wendet sich durch die aufgekommene Verlegenheit an den Schriftsteller. „Ich habe Germanistik studiert, da lernt man, Texte auseinanderzunehmen, wissenschaftlich fundiert. Das habe ich auch getan, und ich war gut drin.

Nun hat sich mein Leben so entwickelt, dass ich in einem ganz anderen Bereich arbeite, nicht mehr an der Universität. Und so verwende ich all diese wissenschaftlich fundierten Herangehensweisen nicht und rede auch nicht mehr so. Niemand tut das, der nicht gut dafür bezahlt wird, Besoldungsstufe soundso, mit Pensionsansprüchen und Urlaubsgeld. ,Sold‘ nennt man auch das, was Soldaten bekommen – die einfach gehorchen müssen. Das hat eben mit Geld und mit Macht zu tun. Geschichten oder gar Verse schreiben hat damit nicht zu tun, das machen Menschen auch so, für ihr Herz. So steht es mit der Germanistik. Und mit der ganzen Psychologie und Philosophie steht es genauso.

Früher mag das anders gewesen sein, als Wissenschaft noch von richtigen Menschen, von ,Laien‘, von ,Dilettanten‘ betrieben wurde, von denen übrigens immer noch praktisch alles stammt, was wir als Glanzleistung der Wissenschaft vorgesetzt bekommen. Aber heute, unter dem Staat, in der Abfolge all der Besoldungsstufen, funktioniert das nur noch, wenn es eben um Geld oder um Macht geht, das heißt um Befehl und Gehorsam. Und es funktioniert nicht bei existenziell wichtigen Dingen, bei nichts, das mit Freiheit zu tun hat – gar bei der Liebe! Und die Liebe hat mit Freiheit zu tun! Das kreist sonst nur noch um sich selbst, ,eingleisig‘, und ,einer webt den anderen ein / unter Aufsicht der Gewerkschaft‘: Was Gottfried Benn da schreibt, passt auf alles, unter Berücksichtigung der Besoldungsstufe.

Das ist keine wirkliche Beschäftigung mit den Dingen. Jeder, der selbst im ,Sold‘ steht, muss das leugnen – aber jeder handelt entsprechend. Schau sie dir nur an, lies mal vergleichend ein paar Bücher von Physikern, im Staatsdienst und frei – die unterscheiden sich fundamental, auch wenn es, auf Rente, so ganz frei noch gar nicht ist, mit dieser moralischen Verpflichtung, ein Lebenswerk irgendwie verteidigen zu müssen. Niemand in solchem ,Sold‘ wendet sich wirklich den Dingen zu, höchstens mal kurz als Mittel zum Zweck – und was soll bei so etwas herauskommen? Alle arbeiten nur auf die Kollegen hin, die Aufstiegschancen. Wenn du dich mit der Seele auseinandersetzt – mich wundert schon sehr, dass du so etwas nötig hast –, dann lass die Besoldungsstufen und frag dein Herz.“

„Mein dummes Herz sagt mir dieses und jenes.“ Der Schriftsteller lächelt.

„Nein, das ist dein Verstand, der tastet die Möglichkeiten aus“, sagt Clara. „Das ist ganz in Ordnung so, dazu ist er ja da, immerhin.“ Sie lacht. „Und dazu mag auch Lesen helfen. Aber letztlich ist die Seele, wie alles Wesentliche, eine Entscheidung des Herzens.“

„Also eine Entscheidung“, meint der Schriftsteller.

„Kein rechnendes Abwägen“, entgegnet Clara. „Ein Erkennen, wo du zu Hause bist.“

„Wo bin ich zu Hause?“ Der Schriftsteller lächelt wieder. „Sag es, mein Herz!“

„Hier nützt dir nicht, was dein Verstand auseinanderlegt. Wir können hier nicht wissen. Das mag für dich schlimm sein. Aber für mich nicht, denn mir ist der Verstand nur eines unter mehreren.“

 

 

 

Woche 2016-20

 

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Haiku und Foto: Sonntag, 22. Mai 2016, Tübingen.

 

 

Woche 2016-19

 

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Haiku: Dienstag, 17. Mai 2016, Tübingen, Foto: Samstag, 14. Mai 2016, Tübingen.

 

 

Woche 2016-18

 

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Haiku: Samstag, 7. Mai 2016 vom Aufstieg zum Kalten Feld, Foto vom Pfefferweg am Rechberg, Sonntag, 8. Mai 2016.

 

 

Woche 2016-17

 

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Foto: Donnerstag, 28. April 2016 vom Stadtsee Bad Waldsee, Haiku: Samstag, 30. April 2016.

 

 

Woche 2016-16

 

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Text und Foto vom Dienstag, 19. April 2016 bei Dußlingen, Fahrradfahrt von den Kirschblüten bei Nehren zurück nach Tübingen.

 

 

Woche 2016-15

 

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Das Foto entstand Sonntag, 10. April 2016 in Tübingen-Lustnau am Neckar, Text und Zusammenstellung verzögerten sich bis Montag, 18. April 2016.

 

 

Woche 2016-14

 

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Foto und Text vom Sonntag, 10. April 2016, Tübingen, Österberg

 

 

 

Woche 2016-13

 

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Foto und Text vom Mittwoch, 30. März 2016, Alb bei St. Johann, Gestütshof

 

 

Woche 2016-12

 

Aus Fugen

[...]

9

Das Böse hat sich eingeschlichen
in die vollkommene Welt, nicht als das Böse,
sondern als das für das Gute Notwendige,
nicht als Angriff, sondern als Verteidigung,
nicht als Bespitzelung, sondern als Information,
nicht als Ausbeutung, sondern als Investition.

Also ist der Grund für das Böse das Gute,
der Grund für die Bespitzelung die Information,
der Grund für den Angriff die Verteidigung,
der Grund für die Ausbeutung die Investition.

Also musst du, so sagt er, wenn du
das Böse bekämpfen willst,
das Gute bekämpfen.

[...]

 

    Aus: Volker Friebel (2010): Zonen der Kampfjets. Gedichte und Haiku. Tübingen: Edition Blaue Felder

 

 

Woche 2016-11

 

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Foto und Text vom Donnerstag, 17. März 2016, Großes Goldersbachtal, Schönbuch bei Tübingen

 

 

Woche 2016-10

 

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Foto (hier stark verändert) und Text vom Freitag, 11. März 2016, Tübingen

 

 

Woche 2016-09

 

Die letzten Monate war so viel zu tun, jeden Tag einen Text in den Fluten-log zu stellen, machte Mühe. Ein Blick in die Zukunft lässt ahnen: Das ändert sich so schnell nicht. Ich will deshalb auf einen Wochenrhythmus umstellen. Ab sofort soll also nur jede Woche, spätestens am Sonntag, ein Beitrag eingestellt werden, möglichst einer, der in dieser Woche entstanden ist.

    Donnerstag, 3. März 2016

 

Der Reichtum des Meeres
Geschichte für Kinder

Vor langer Zeit wohnte einmal ein reicher Mann am Meer in der Hafenstadt, dort, wo der Fluss seine Mündung hat. Seinen Reichtum hatte der Mann mit Handel verdient. Er besaß mehrere Schiffe, mit denen seine Kapitäne die Meere befuhren.

Jeden Morgen stand der Händler auf und ging zum Fluss, wo seine Lagerhallen standen. Er wandte sich an das vorbeiströmende Wasser: „Fließe, fließe, bring deine Wasser alle ins Meer, so wird mein Reichtum groß und größer“, pflegte er zu sprechen.

Als einer seiner Kapitäne das beobachtete, erzählte der ihm, dass die Sonne über dem Meer Mengen von Wasser verdunste, hoch in den Himmel ziehe, wo sich das Wasser zu Wolken sammele und über das Land treibe. Und über dem Land regneten dann die Wolken herab und speisten die Bäche und Flüsse.

Als er hörte, dass die Sonne Wasser des Meeres verdunstet, von dem doch all sein Verdienst abhing, wurde der Händler ganz traurig.

Am nächsten Morgen aber war er sehr froh, froher als je zuvor. Denn er hatte von den Wolken geträumt und vom Regen, von den Bächen, dem Fluss und dem Strömen des Wassers zurück ins Meer. Von der Sonne und dem Verdunsten des Wassers hatte er auch geträumt. Als er am Tage nur davon gehört hatte, war es ihm schlecht vorgekommen. Nun sah er es mit dem anderen zusammen, und es war gut.

Er gab dem Kapitän, der ihm von der Sonne erzählt hatte, einen extra Beutel mit Gold, und seiner Mannschaft und all seinen Angestellten in den Schuppen und Lagerhallen gab er ein Goldstück dazu.

 

    Geschrieben Sonntag, 18.02.1996 für ein Buch beim Herder-Verlag, Freiburg: Schlüssel in kleine Hände, das dann 1997 erschien. Diese Geschichte hat es aber nicht bis zum Druck geschafft, sondern wurde bei der Überarbeitung herausgenommen.

 

 

 

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    Aktuell 24.07.2016 auf www.Fluten-Log.de, Einrichtung 02.03.2014
    Alle Rechte bei Volker Friebel, Tübingen