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Fluten-Log
Volker Friebel

 

Jede Woche einen Text.

Wenn nicht anders angegeben, stammen die Beiträge aus der jeweiligen Kalender-Woche.

 

 

2017

Woche 24

  Juni   

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Am Samstag, dem 1. März 2014 habe ich mit dem Fluten-Log begonnen. „Ein Jahr lang will ich den Veränderungen der Luft nachspüren, sie beschreiben und wieder in den Himmel geben“, schrieb ich damals. Nun geht ein langes Jahr zu Ende. Zugunsten eines neuen Blogs auf www.Volker-Friebel.de stelle ich Fluten-Log ein. Dank fürs Lesen, Dank für die Kommentare, anderswo und anderswann vielleicht mehr!

 

 

2017

Woche 23

  Juni   

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Sonntag

 


 

 

Der Wanderer

[...]

6

Die vielen Namen des Grases!
Die Blumen! Acker-Winde, Margerite,
Wiesen-Storchschnabel, Mohn.
Worte, die du gerne sprichst,
die du singst, ins Rauschen der Grillen.

Weil die Welt wirklicher wird,
wenn du sie ansiehst und sprichst.

Weil der Klang deiner Stimme
in diesem Duft schweben kann.

[...]

 

    Aus: Volker Friebel (2009): Nachricht von den Wolken. Gedichte und Haiku. Zweite Ausgabe. Tübingen: Edition Blaue Felder.

 

 

2017

Woche 22

  Mai / Juni   

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„Anton?“, tschilpt Karl.

„Karl?“, tschilpt Anton.

Sie sitzen auf einem Baum über der Landstraße und betrachten den Verkehr.

„Verstehst du, warum die einen Autos in die eine Richtung und die anderen Autos in die andere Richtung fahren? Wenn es irgendwo wirklich schöner wäre, zögen doch alle dorthin und nicht in die Gegenrichtung.“

„Es sind eben Menschen, sie sind verwirrt“, tschilpt Anton.

„Und Verwirrung macht Krach“, seufzt Karl.

„Und Verwirrung macht schlechte Luft“, seufzt Anton.

„Und aus der Verwirrung fällt ab und zu ein Schmetterling an“, jubelt Karl und schwingt sich zur Straße hinab, zum Kohlweißling auf dem Asphalt, der mit einer Windschutzscheibe kollidiert ist.

 

 

2017

Woche 21

  Mai   

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Sonntag

 


 

 

Clara schlendert durch die Allee am Fluss. Linden blühen. Das Summen der Bienen übertönt um diese Zeit sogar den Lärm der Straße, macht sie zu einer Gegend der Bienen und Blüten.

Clara malt sich ein paar Schritte lang aus, wie die Stadt von einer Bienenkönigin wahrgenommen wird. Von hier bis hier ist mein sicheres Revier. An den Rändern wabern die Königreiche der Konkurrentinnen . Aus wie vielen Königreichen die Stadt wohl bestehen mag? Aber Bienenkästen stehen auch nebeneinander. Vielleicht vermengen sich die Königreiche schon sowieso.

Die Menschen kommen in den Karten des Bienenvolkes nicht vor, da ist sich Clara sicher. Die Verteilung der Bäume mit ihren unterschiedlichen Blütezeiten, die Blumengärten, der Fluss, besonders abgasreiche Straßen und Kreuzungen – aber nicht die Menschen. Vermutlich läge es für die Bienen näher, eine Karte der Wolken zu zeichnen als etwa einen Plan über die Verteilung der Menschen.

Ob die Bienen wissen, dass die Menschen diese Stadt zu regieren meinen, sie sogar gebaut haben, jedenfalls die auffälligsten Teile davon? Die auffälligsten für die Augen von Menschen.

Claras Blick wandert von den Lindenblüten zum Fluss. Am Eisenring festgebundene Kähne. Ein Angler steht da und schaut in das ruhige Strömen, die Rute in seiner Hand. Jetzt holt er die Leine ganz ein und wirft sie neu aus.

Fisch, notiert sich Clara auf dem Einkaufszettel in ihren Gedanken. Deshalb ist der Angler nicht hier. Oder doch? Wenn sie ihn fragte?

Jemand hat sich auf eine Bank gesetzt, unter den Linden, bei der Anlegestelle der Kähne. Vielleicht wartet die Gestalt auf eine Gruppe von Freunden, die gleich lärmend erscheinen wird, mit Bierkästen womöglich, mit Fotoapparaten und Kübeln voll guter Laune.

Sie hat das alles nie gewollt, nicht die Zigarette in der zitternden Hand, nicht die Angel zwischen sich und der Ruhe des Wassers, nicht das Bier, nicht den gemütlichen Fernsehabend. Für das Leben ist keine Rechtfertigung nötig.

Leichter wäre manches schon.

Ach was! So viele Verlegenheiten gibt es noch abzustreifen!

Clara sieht in das blinkende Wasser. Ich sehe es wirklich, denkt sie.

 

***

 

Haben Sie je geliebt? Ich will nicht viel über diese Tage berichten. Es sind nicht die großen Ereignisse, es ist das plötzliche Lächeln, wenn einer den anderen betrachtet, es ist der zitternde Spatz in der Hand, das Bündel Federn reinen Glücks. Die Liebe trägt über alle Klüfte und Spalten hinweg, sie beflügelt das Schwere und gibt dem Leichten eine Tiefe, die ohne die Liebe nicht ist.

Niemand schaut sich so lange an, wie sich Liebende betrachten. Woher kommt das? Was ist da zu sehen, in diesem Zustand, was andere, Nicht-Liebende, nicht sehen?

Aber auch der Blick in den Spiegel verändert sich. Clara steht da, vor dem ihren, und versucht, sich mit seinen Augen zu sehen. Und schüttelt den Kopf.

Sie haben sich verabredet, im Kaffeehaus.

Wenn Clara zurückdenkt, in ihre Kindheit und Jugend hinein, dann findet sie sich immerzu wartend, ob als Zehnjährige mit einem Buch in der Hand unter der Bettdecke oder mit 18 in einem Café, ihren Briefblock vor sich. Aus der Rückschau scheint es ihr, als habe sie eigentlich die ganze Zeit zwischen 16 und 26 in diesem Café verbracht. Oder beim Schlendern am Fluss. Im Warten jedenfalls.

Warten worauf?

Nicht, dass die Sonne untergeht, nicht, dass der Romanheld im Kuss auf der letzten Seite versinkt, nicht, dass die Vorlesung endet, nicht, dass der Kaffee soweit abgekühlt ist, um getrunken werden zu können, nicht einmal, dass sich ein Märchenprinz niederbeugt in ihr Schweigen ...

Warten war leben. Sie wartete nie auf etwas Bestimmtes. Es war der offene Raum vor ihr, es war sie selbst, der Möglichkeit hingegeben, die es also doch gab, je unbestimmter, umso besser.

Warten am liebsten deshalb eben im Café, versunken über dem Briefpapier, oder auf der Mauer am Fluss, wo die Beine baumeln und die Blicke über die Platanen der Insel schweifen oder über den langsam strömenden Fluss.

Sie wartete nie etwa auf die realen Männer um sich. Die ergaben sich so, zufällig, hingeworfene Kleckse in ihrem Tagebuch. Sie wartete auch nicht auf eine Berufslaufbahn. Das waren schnelle Entscheidungen.

Das Warten hatte nie wirklich aufgehört, es war irgendwie immer noch da, aber doch verändert, im Alltag am Rechner, der Besorgungen auf dem Markt, der Küsse am Morgen.

Wieder im Café, demselben wie damals, das sie lange nicht mehr betreten hat, wartet sie nun wirklich auf etwas?

Auf Hans?

Sie hat ein Buch dabei, um nicht umherschauen zu müssen, um nicht verletzlich zu scheinen. Aber die Seiten fesseln ihre Blicke nicht recht. Sie legt es schließlich beiseite.

Aus dem Stimmengemurmel, dem Klappern der Tassen und den Schritten der Kellnerin dichtet sie Haiku. Sie lässt sie fließen, wie Wellen, die an den Strand eines Meeres spülen, des Meeres dieses Tages. Sie schreibt die Verse nicht auf.

Eine Zeit lang hat sie Atemzüge gezählt, nach der Teilnahme an einem Yoga-Seminar. Auf einem schwarzen Kissen vor einer weißen Wand. Yoga macht sie noch immer. Vielleicht war es dort gewesen, wo sie der Wende des Atems bewusst geworden war, der Wende vom Warten ins Sein.

Nur dass das kaum anders ausgesehen hatte. Denn das Sein war Strömen. Clara hatte sich als Wasser erkannt.

Das Warten hatte sich nicht wirklich verändert.

Sie hatte es nur irgendwie anders zu spüren begonnen, in diesem Strömen und in der Wende des Stroms: als die Bereitschaft des Lebens, als eben das Leben selbst.

Ein Blick auf die Uhr. Hans hat Verspätung. Sie bestellt noch einen Kaffee.

 

    Aus: Volker Friebel (2015): Das Gewicht der Wolken. Eine Erzählung in Augenblicken und Episoden. Tübingen: Edition Blaue Felder.

 

 

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Foto und Text: Donnerstag, 18. Mai 2017, Tübingen

 

 

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Woche 19

  Mai   

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Am Abbruchhaus stehengelassen –
Pusteblumen.

    Freitag, 12. Mai 2017, Tübingen, Denzenbergviertel

 

 

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Woche 18

  Mai   

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Landende.
Am Toilettenhäuschen rüttelt
der Sturm.

    Donnerstag, 4. Mai 2017, Spitze Ellenbogen bei List, Sylt

 

 

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Woche 17

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Samstag

 

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Foto und Text: Samstag, 29. April 2017, Weststrand bei List, Sylt

 

 

Montag

 

Unsere Sprecherin gähnt, nimmt das nächste Blatt auf und liest: „Rückruf-Aktion der Firma Meditechy. Das Gehirn-Implantat Darmowaag soll eine Steuerung des Körpergewichts durch selektive Beeinflussung der Nährstoffaufnahme des Darms gewährleisten. Das funktioniert in der Standardausgabe auch gut. Die kürzlich auf den Markt geworfene Gefühle-plus-Edition ist dafür gedacht, die Nährstoffaufnahme nach Wohlbefinden und Zufriedenheit des Kunden zu steuern. Menschen, die sich mollig wohler fühlen, sollen damit ebenfalls in den Genuss des Darmowaag kommen, ohne das Diktat der Festeinstellung eines optimalen Körpergewichts. Die Edition wurde gut angenommen. Nun zeigt sich aber eine mögliche Nebenwirkung bei depressiven und selbstmordgefährdeten Menschen. Deren Gefühle-plus-Edition neigt manchmal dazu, selektiv gerade Umweltgifte aufzunehmen, ja den Träger über eine Beeinflussung des Frontalhirns sogar direktiv die Nähe möglicher Gifte aufsuchen zu lassen. Auch wenn das, wie Meditechy erklärt, als Willensäußerung des Kunden eigentlich zu achten ist und jedenfalls keineswegs als absichtsvolle Handlung der Firma interpretiert werden kann, hat sich Meditechy nach Eingang zahlreicher Klagen von Hinterbliebenen zu einer Änderung ihrer kundenorientierten Firmenpolitik entschlossen. Der Umtausch ist kostenlos.“

 

 

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In die Weite zwischen den Menschen
Aprilschnee.

 

 

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Mittwoch

 

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Montag

 

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Großes Goldersbachtal, Schönbuch bei Tübingen.

 

 

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Woche 14

  April   

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Sonntag

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Foto und Text vom Sonntag, 9. April 2017 an einem der Fischweiher unterhalb von Kloster Kirchberg.

 

Freitag

„Blumen blühen blau und rot. Das Leben will fließen, doch wir sind der Tod.“ Die Akustik im Studio klingt gut. Unsere Moderatorin lauscht in den trockenen Nachhall hinein. Ein Licht blinkt auf. Sie befeuchtet ihre schneeweißen Lippen, nimmt das erste Blatt auf und säuselt:

„Planet Erde. Der letzte Ortsname, der an eine Person aus der Grauzeit erinnert, ist heute geändert worden.

Zwar konnte Hans Müller weder das Verzehren von Tieren, noch die Verpestung der Atemluft anderer Wesen durch Fahren von Benzinautos oder Rauchen von Zigaretten, noch die Leugnung der apostolischen Zahl und auch nicht das sogenannte ‚Halten‘ von Hunden oder Delfinen nachgewiesen werden“,

sie blinzelt, etwas atemlos geworden, nimmt einen tiefen Atemzug und fährt dann fort:

„vor allem, da gar nicht geklärt werden konnte, um welchen der zahlreichen Träger dieses Namens es sich eigentlich handelt. Die Kommission entschied aber, dass die Grundschuld seines Zeitalters von 99 Prozent aufgerundet werden darf, da entlastenden Fakten zu seiner Person fehlen.“

Unsere Moderatorin schlägt mit der flachen Hand auf den Tisch: „Er hat also!

Die ehemalige Hans-Müller-Straße heißt jetzt ‚Rosenblüten-Straße‘ – das klingt doch viel schöner!“

Die Moderatorin mustert ihr Blatt, runzelt die Stirn und fährt fort:

„Gleichzeitig ernannte die Kommission die grauzeitlichen Dichter Ernst Moritz Arndt und Martin Heidegger zu ‚Verfolgten der Grauzeit‘, obwohl ihnen gleich mehrere der damals verbreiteten Schurkereien angelastet werden.“

Die Moderatorin droht mit dem Zeigefinger – holt dann tief Luft und flötet:

„Aber die Güte! Diese beiden nämlich, so die Begründung der Kommission, hätten unter der Grauzeit zu leiden gehabt und vor allem in ihren Leben auch Gutes getan und gesagt und seien deshalb verfemt worden – aber jede gute Tat wiegt hundert schlechte auf, das wissen wir.“

Unsere Moderatorin klimpert mit ihren Wimpern und seufzt.

 

 

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Woche 13

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Am Ufer des Stoßverkehrs
leuchten Osterglocken.
Sonnenaufgang.

Freitagmorgen, Fahrradfahrt durch Tübingen auf dem Weg zum Seminar.

 

 

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Zwei Lerchen
berühren einander, im Flug
überm Schnee.

 

Die beiden Haiku und das Foto stammen vom Freitag, dem 24. März 2017 aus dem Oberengadin bei Sils Maria. Schnee lag, taute, Lerchen stiegen auf und begannen zu jubeln.

 

 

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Vom Dienstag aus einer Wanderung von Calw nach Zavelstein.

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Woche 10

März   

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Vom Freitag aus dem Wolfstal bei Lauterach.

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Woche 9

  Februar / März  

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Stufen zur Quelle

[...]

12

In der Nacht ist Schnee gefallen,
nun ist die Welt wieder weiß.
Doch mit der Sonne kommen die Farben –
erst im Blitzen der Schneekristalle,
dann in den Blumen.

    Aus: Volker Friebel (2010): Zonen der Kampfjets. Gedichte und Haiku. Tübingen: Edition Blaue Felder

 

 

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Woche 8

  Februar 

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Brot und Spiele – Juvenal griff mit dem Begriff die römischen Kaiser an, die damit das Volk ruhig stellen wollten. Aber die Sache gab es schon vorher, in der Endphase der Republik.

Merkel ist sicherlich keine Kaiserin, nicht nur zu Augustus, auch zu Tiberius fehlt ihr das Format. Was nicht verwundert: Sie entstammt nur deutschen Genen. Bei jedem wichtigen Spiel der Nationalmannschaft (Fußball, männlich) ist sie aber natürlich dabei. Ihre Nachfolgerin, gleich welchen Geschlechts und welcher Partey, wird das auch sein. Und die Kameras werden jede Emotion von ihrIhmEs auffangen und dem begeisterten Volk in die weit aufgerissenen Augen träufeln.

Die letzten Jahre war ich viel unterwegs in der Welt. Und war immer erstaunt, wie billig die Lebensmittel in Deutschland sind. Nimmt man den Anteil am Einkommen, dürften sie nirgendwo billiger als hier sein. Wie kommt das?

Was  bedeutet das alles?

Aber ich meine nicht, dass wir in der Spätphase einer Republik leben. „Unternehmen – öffentlich“, behauptet der Übersetzer. Und alle wissen um Geheimdienste, allgegenwärtige Bespitzelung und Zensur, Absprachen in Hinterzimmern. Und fast alle sind zufrieden damit, wenn es ihnen selbst gut geht. Moral ist ersichtlich ein Fremdwort und wird übersetzt mit gemeinsame Werte, mit der Bedeutung: unsere Interessen. Wenn ich mich auf die Ausführungen der Politologen zu diesen Begriffen einlasse, wird mir schlecht.

Manchmal glaube ich, so wie ich Nachrichten lese: Mir ist gern schlecht.

Was ist ein Politologe oder ein NachrichtenMensch? Entweder ein Schweigender oder ein Angestellter des Staates. Laotse soll sein Buch nach seinem Abschied vom Staatsdienst geschrieben haben, einer Legende zufolge, die ich gern lese, aber nicht glaube. Deshalb gibt es heute Pensionen.

Aber den einen und den anderen, die sich da gegenüberstehen und zetern und so tun, als ob sie alles wären, die den Zuschauer zu einem „Für“, weil „Gegen“ zu überreden versuchen, denen glaube ich allen nicht.

    Mittwoch, 22. Februar 2017

 

 

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Woche 7

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Tja, wo ins Netz? Ich habe die Darstellung auf www.Reise-Tage.de veröffentlicht. Hier der Verweis: Sarnath – wo der historische Buddha seine erste Rede hielt. Solche Texte möchte ich schreiben. Nicht unbedingt buddhistisch.

 

 

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Woche 6

  Februar 

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Das Wasser der Wahrheit

 

„Liebes Murmel“, sagte ein Mann, der von der Universität hoch auf die Alm gestiegen war, „Jahr um Jahr schon forsche ich und andere neben und vor mir. Obwohl wir auch wirklich viel Wissen angehäuft haben und noch immer mehr anhäufen, scheint uns die Wahrheit immerfort zwischen den Fingern zu entgleiten. Nach so vielen Jahren des Forschens meine ich fast, ihr kein bisschen näher gekommen zu sein, obwohl ich so viel mehr als früher weiß.“

„Sei froh, dass du die Wahrheit nicht findest“, begann Mu. „Willst du wissen, was den Leuten passiert ist, die sie gefunden haben?“

Der Mann nickte und Mu erzählte seine Geschichte.

 

„Eines Sonntagvormittags vor langer, langer Zeit erschienen an der Unterseite einer Wolke feine Risse . Es knirschte und polterte. Dann öffnete sich plötzlich eine Falltür und ein mächtiger Schwall Wasser stürzte hinab auf die Erde. Das war aber das Wasser der einen, endgültigen Wahrheit. Alles wurde patschnass. Die Leute warfen böse Blicke nach oben, aber die meisten schüttelten sich bloß und setzten dann ihren Sonntagsspaziergang fort. Auch die Wolke zog weiter. Die Sonne kam hinter ihr vor und trocknete den ganzen Schlammassel. Und bald war alles wie immer.

Aber nicht ganz.

Nach ein paar Tagen bemerkte der Apotheker zufällig, dass das Gras auf den Wiesen aufgehört hatte zu wachsen. Am nächsten Morgen besorgten sich alle Leute gleich Maßbänder, um nachzumessen – und richtig: Das Gras wuchs keinen Millimeter mehr.

Manchen war das egal, andere runzelten die Stirn. Aber niemand wusste etwas dazu zu sagen. ,Das ist dann eben die Wahrheit', meinte der Schnellste endlich und setzte ein weises Gesicht auf.

Die Leute gingen auseinander. Aber viele waren besorgt. Denn wenn die Wahrheit fest und unveränderlich ist, was sollte dann in einer Welt wie der ihren geschehen, in der viele Wesen lebten und es also viele Wahrheiten nebeneinander geben musste? Wenn kein Fließen mehr möglich war, mussten dann die erstarrten Wahrheiten einander bekämpfen? Und welche Wahrheit würde der Sieger sein?

Bald waren die Kühe so abgemagert, dass sie geschlachtet werden mussten. Das Gras war nämlich abgenagt und wuchs nicht mehr nach. Die Blumen wollten immer nur blühen. Kein Blütenblatt fiel mehr und die Preise für Obst kletterten schnell. Dann erstarrten die Vögel in ihrem Flug. Erst flogen sie wie durch eine immer zähere Luft. Sie keuchten, sie rackerten tüchtig. Und dann blieben sie ganz liegen, wie in einem angehaltenen Film. Der wahre Himmel hing reglos voll Federn.

Die Leute waren inzwischen nicht müßig geblieben. Manche hatten sich ertränkt. Andere waren ausgewandert, über den Rand der Erde hinaus. Wieder andere schlossen sich ein, um die Gelegenheit zu nutzen, endlich ihre Steuererklärung fertigzustellen. Die Verbliebenen aber hatten sich Spruchbänder und Fahnen gefertigt, die zeigten sie in einer langen Prozession, als die Wolke wieder einmal vorüberschwebte. Sie schwenkten ihre Fahnen, schrien recht laut und ließen Drachen steigen, sogar einen Ballon. Der stieß mit der Wolke zusammen.

Da erschienen wieder Risse an der Unterseite der Wolke. Die Leute zogen schon die Köpfe ein, aber es war keine Falltür, sondern ein Fenster. Jemand putzte von innen die Scheibe und sah zu ihnen hinab. Sie schrien im Chor ihre Sprüche, so laut sie konnten.

Zwei Augen sahen lange aus dem Fenster der Wolke. Dann trübte die Scheibe sich wieder. Die Wolke nahm Fahrt auf. Bald war sie hinter den Bergen verschwunden.

Die Leute warfen ihre Fahnen und Spruchbänder in den Fluss und zerstreuten sich. Jeder ging einsam nach Hause.

Am nächsten Morgen entdeckten sie, dass das Gras wieder wuchs. Junge Triebe zitterten im aufgekommenen Wind. Blütenblätter wehten über die Straßen. Die Wahrheit war von ihnen genommen.“

 

Aus: Volker Friebel (2013): Murmel Mu – Aus den Weisheiten eines Murmeltiers. Tübingen: Edition Blaue Felder. Nur als eBuch (epub- und Kindle-Format).

 

 

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Woche 5

  Januar / Februar 

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Aus: Am Quell der Donau

[...]

8

Festungen brechen. Die Herrscher planen
ein festeres Reich. Und da sich mit Wasser
nicht bauen lässt, aus Ersatzmaterialien,
aus Schaumstoff etwa, aus Gummi.
Tob nur. Es tröstet. Doch

die Hand, die sich ums Schwert schließt, ist nicht die Hand,
die um einen Knüppel fasst, der auf dem Bildschirm
ein Schwert kontrolliert,

das Lied, das du singst, ist nicht das Lied,
das dir aus Lautsprechern
in deine Ohren dröhnt,

du bist nicht du.

Enger werden die Augen der Menschen
je weiter sich ausdehnt ihr Reich.
Was sie anfassten, wurde zu Geld,
doch du siehst an der Brüstung, dass es von Anfang an
Schuldscheine waren.

Die Quelle ist rein.

 

9

Wo kommt dein Leben her, in jedem Moment?
Antworten sagen es nicht.

Es ist das Staunen,
das dich wach hält und offen.

Es ist die Demut,
die dem Himmel ermöglicht, dich zu durchwehen.

Es ist das Lied, das dich ins Strömen bringt,
das du bist und sein sollst.

[...]

    Aus: Volker Friebel (2010): Zonen der Kampfjets. Gedichte und Haiku. Tübingen: Edition Blaue Felder

 

 

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    Text und Foto: Dienstag, 24. Januar 2017, Mumbai, Indien

 

 

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Woche 3

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Montag

Dienstag

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Die Furtbereiter –
im Tempel Statuen geworden,
Schatten.

    Montag, 16. Januar 2017, Sravana Bealgola, Vindyagiri-Hill, Jaina-Heiligtum, Süd-Indien

 

 

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Woche 2

  Januar  

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Sonntag

 


 

 

Strömen

Ein Morgen, erschaffen aus Vogelschreien,
weiße Wolken spiegeln im Fluss.
Die Liebste ist noch im Zelt geblieben,
ich sitze am Wasser
und spüre es strömen in mir.

Ein Eisvogel flog fort,
als ich kam. Der Fluss und der Himmel
blieben.

    Donnerstag, 12. Januar 2017, Thattekkad, Hornbill-Camp, Süd-Indien

 

 

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2017-01-04 07-39-07 0576 Meditierende Golf von Bengalen bei Chennai Indien 600x450 95%

 

Aus Lautsprechern Om.
Seminargäste meditieren
das Meer.

Manche sitzen auf Stühlen, zugewandt dem Golf von Bengalen. Andere haben sich im Lotossitz auf dem Sand niedergelassen. Die vordersten werden Welle um Welle bis zur Hüfte vom Meer überspült. An der Böschung vom Tagungshotel zum weitläufigen Strand zwischen Abfällen der Trost roter Windenblüten. Es ist ein weiterer Tag in der Katastrophe unserer Welt.

    Text und Foto: Mittwoch, 4. Januar 2017 bei Chennai, Süd-Indien

 

 

 

    Aktuell 16.06.2017 auf www.Fluten-Log.de, Einrichtung 02.03.2014
    Alle Rechte bei Volker Friebel, Tübingen